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Nicht immer ganz realistisch mit der Selbsteinschätzung: Michail Saakaschwili steht fast allein auf weiter Flur (Foto: TV)
Freitag, 28.11.2008

Unterschätzt: nannte Saakaschwili Putin "Liliputin"?

Gisbert Mrozek, Moskau. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Saakaschwili habe Putin „Liliputin“ genannt, also vor allem die Gewichtsklassen verwechselt und ein wenig Realitätsverlust bewiesen. Saakaschwili dementiert.

Vor einem Parlamentsauschuss in Tiflis, der die Ursachen des August-Krieges untersucht, versicherte am Freitag Michail Saakaschwili, er habe Wladimir Putin nie abwertend „Liliputin“ genannt und ihn auch nie grob beschimpft, obwohl er allen Grund dazu gehabt hätte.

Die Anhörung belegte allerdings erneut recht anschaulich, dass Saakaschwili an notorischer Selbtsüberschätzung leidet.

Vielleicht auch darum scheint die Luft rund um ihn immer dünner zu werden. Vor demselben Parlamentsauschuss beschuldigte ihn sogar sein Moskau-Botschafter der Aggression in Südossetien.

Gab Washington Grünes Licht für den Angriff?


Für den Angriff auf Zchinwali, versicherte Botschafter Erosi Kizmarischwili, habe Washington im August grünes Licht gegeben. Damit widerspricht der Georgier seinem amerikanischen Kollegen in Moskau. John Beyrle hatte schon Ende August in Moskau erklärt, die USA hätten zwar von den Plänen Saakaschwilis gewusst, ihn aber nicht zurückhalten können.

Botschafter plaudert aus dem Nähkästchen


Wie auch immer - Saakaschwilis Mann aus Moskau plauderte so einiges aus dem Nähkästchen. So sei der südossetische Präsident Eduard Kokoity im Sommer 2004 schon bereit gewesen, sein Ländchen „für einige Millionen Dollar“ zu verkaufen, die Führung in Tiflis aber habe eine Militäroperation gegen ihn geplant.

Saakaschwili wollte Hauptstadt Georgiens nach Suchumi verlegen


Auch gegen Abchasien habe es im April-Mai 2008 Angriffspläne gegeben, zu denen auch israelische Instrukteure hinzugezogen wurden. Schließlich habe Saakaschwili sogar geplant, die Hauptstadt Georgiens nach Suchumi (die abchasische Hauptstadt) zu verlegen.

Botschafter Kizmarischwili plauderte so freimütig, dass er sich schließlich nur durch die Flucht davor retten konnte, von wütenden Saakaschwili-Anhängern (darunter auch der Verteidigungsminister) verprügelt zu werden.

Muss Saakaschwili selbst die Flucht ergreifen


Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Saakaschwili selbst bald die Flucht ergreifen muss. Das muss nicht unbedingt Oppositionspropaganda sein. Darauf deutet nicht zuletzt auch hin, dass seine dereinst wichtigste politische Verbündete, die Ex-Parlamentsvorsitzende Nino Burdschanadse, sich nicht einfach aus der Politik zurückzieht, sondern sich gegen ihn stellt.

Ohne sie, die einen erheblichen Teil der politischen Elite vertritt, wäre er nicht Präsident geworden. Gegen sie wird er es kaum bleiben.

Und selbst der polnische Präsident Lech Kaczynski, der sonst keine Gelegenheit ausläßt, die Russen zu prügeln, hielt Saakaschwili Anfang der Woche in der Beschuss-Affäre nicht mehr die Stange.


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