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Russlands Chef-Lenker Putin: Der Lada war zwar ADAC-gelb, aber statt einem Schutzbrief hatte er zwei Ersatzwagen zur Hand (Foto: premier.gov.ru)
Donnerstag, 02.09.2010

Weißrussisches TV lästert über Putins Fernfahrt

Minsk. Das Hauen und Stechen zwischen Minsk und Moskau geht weiter: Weißrusslands Fernsehen erklärte Putins Autofahrt durch Sibirien zum PR-Fiasko – wegen zweier Ersatz-Ladas. Dabei geht es eigentlich um Lukaschenko.

Die russische und die weißrussische Führung – respektive deren obrigkeitshörige Staatsmedien – lassen in letzter Zeit kaum eine Gelegenheit aus, sich gegenseitig madig zu machen. Dabei hatten sich beide Länder erst Anfang Juli auf den allerletzten Drücker zum Start der schon lange geplanten Zollunion unter Beteiligung Kasachstans durchgerungen.

Womit der Dauerzoff der eigentlich in einer Staatenunion verbundenen "Brudernationen" anfing, ist kaum noch auszumachen. Aber egal, ob es um Ölpreise oder Gaspipelines, Zolltarife oder Milchpreisdumping geht: Zwischen Minsk und Moskau wurde der Ton im Laufe des Sommers geradezu hysterisch.

Medwedew wirft Lukaschenko "Lüge" vor


Unlängst beschuldigte Russlands Präsident Dmitri Medwedew seinen weißrussischen Kollegen Alexander Lukaschenko offen der Lüge und eines gebrochenen Ehrenwortes – das soll er ihm nämlich hinsichtlich der (dann nicht erfolgten) diplomatischen Anerkennung der russischen Vasallen-Staaten Abchasien und Südossetien gegeben haben.

Und der russische Sender NTW hob einen Dreiteiler ins Programm, der alle echten und vermeintlichen Sünden des seit 1994 regierenden Alleinherrschers Lukaschenko aufzählte. Weißrusslands TV konterte mit einem Interview des georgischen Staatspräsidenten Michail Saakaschwili – worin der Kreml-Erzfeind so richtig über Russland herziehen durfte.

Der Konflikt wird heiß: ein Diplomatenauto brennt


Wohl nicht zufällig warfen dieser Tage Unbekannte ein Molotow-Cocktail auf das Gelände der russischen Botschaft in Minsk. Ein Dienstwagen brannte aus – und Schuldzuweisungen flogen prompt hin und her: Eigentlich habe man ja ein gutes Verhältnis miteinander, aber irgendwelche „Geheimdienstkreise“ der anderen Seite hätten eben ein Interesse, die Lage zusätzlich zu komplizieren, hieß es fast unisono hier wie dort.

Schummelei bei Putins Langstreckenfahrt?


Ein Auto ist auch Hauptheld der neuesten Ladung „Kompromat“ (so kürzt man in Russland routiniert „kompromittierendes Material“ ab) aus Minsk: Wladimir Putin fuhr ja letzthin vier Tage lang am Steuer eines knallgelben Lada Kalina über den beinahe fertig gestellten 2.000 Kilometer langen Lückenschluss der Transsibirienstraße zwischen Chabarowsk und Tschita.

Zum gefundenen Fressen der Minsker Propagandisten wurde dabei ein You-tube-Video, das Mitglieder eines Offroad-Clubs ins Internet gestellt hatten: Die johlenden „Jeeper“ dokumentierten, dass in der schier endlosen Wagenkolonne hinter Putins Kleinwagen noch zwei weitere gelbe Kalinas mitfuhren – einer davon huckepack auf einem Lastwagen.

„Die Reklame-Aktion der russische Autoindustrie, der Straßenbauer und des Premierministers selbst ist beinahe geglückt. Doch vergaßen die Autoren der Aktion ‚Amur‘, dass sie nicht mehr zu Zeiten Potjomkins und seiner Dörfer leben, sondern in der Epoche digitaler Technologien und des Internets“, höhnte das weißrussische Fernsehen.

Besondere Lobeshymnen über den Lada waren von Putin allerdings auch nicht zu hören – und die Transkontinental-Trasse erschien ihm bei seiner Inspektion auf älteren Abschnitten auch selbst „wie eine bessere Dorfstraße“.

Von russischer Seite war zudem nicht direkt verheimlicht worden, dass es Ersatzfahrzeuge im Konvoi gab – was bei der stellenweise noch über Schotterstraßen führenden Strecke ja auch durchaus angebracht war, wenn es zügig und nach Zeitplan voran gehen soll.

Wer selbst im Glashaus sitzt ...


Mit der weißrussischen „Lada-Enthüllung“ ist der Image-Schlagabtausch sicher nicht zu Ende: Der nächste aus dem einen ins andere Glashaus geworfene Stein ist sicher schon unterwegs. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn sich gerade diese beiden Regime gegenseitig die Unterdrückung der Opposition, politisch motivierte Gewalt, Zensur, Korruption, Machthunger und Vetternwirtschaft vorwerfen.

Lukaschenko bangt um sein Amt


Und warum das Ganze? In Minsk ist man sich sicher, dass der Kreml auf einen Führungswechsel in Minsk hinarbeitet, um den lästigen „Batka“ dort endgültig loszuwerden. Beste Gelegenheit wären dabei die bis Februar 2011 noch anzusetzenden Präsidentenwahlen. Minsker Oppositionelle werden jedenfalls seit einiger Zeit in Moskau hofiert.

Lukaschenkos Nervosität ist gerechtfertigt. Das beweisen schon allein die in diesem Jahr über die Bühne gegangenen Führungswechsel in der Ukraine und Kirgisien: Moskau-Kritiker wurden durch Moskau-Freunde ersetzt – wobei niemand so recht sagen kann, in wie weit der Kreml dabei seine Finger mit im Spiel hatte.


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