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Wladimir Gussinski setzte sich vor über acht Jahren aus Russland ab. Nun will er wieder zurück (Foto: Archiv/.rufo)
Freitag, 09.10.2009

„Putin, verzeih mir“: Ex-Oligarch Gussinski hat Heimweh

Moskau. Der einstige Medienzar und NTW-Besitzer Wladimir Gussinski will nach Russland zurückkehren. Gussinski hatte 2001 in einem skandalträchtigen Machtkampf gegen den Kreml seinen TV-Sender verloren und floh aus Russland.

„Würden Sie heimkehren, wenn Putin Sie nach Russland einladen würde?“, fragte die in Israel erscheinende Zeitung „The Marker“ den Geschäftsmann: „Ich würde“, antwortete er. Die Voraussetzung für die Rückkehr sei die Erlaubnis des Kremls, erklärte Wladimir Gussinski.

„Wenn Du irgendwann gegen die Regierung gekämpft hast, dann entscheidet die Regierung, ob Du zurückkehren darfst oder nicht. Das ist normal“, sagte er.

Erfolg in den wilden 90ern


Gussinski hatte in den 90er Jahren sein Medienimperium in Russland aufgebaut. Flaggschiff seiner Holding war der populäre TV-Sender NTW. Daneben gehörten aber auch der Radiosender „Echo Moskaus“, die einflussreiche Monatszeitschrift „Itogi“ oder die Zeitung „Segodnja“ zu seiner Holding Media-Most.

Für den Aufbau seiner Mediengruppe reichten die eigenen Finanzmittel des Bankiers Gussinski nicht aus. Daher holte er sich beim halbstaatlichen Konzern Gazprom einen Kredit über 200 Mio. USD.

Gussinski schießt gegen den Kreml


Gleichzeitig weigerte sich Gussinski jedoch, die Informationspolitik seines Senders nach den Wünschen und Forderungen des Kremls auszurichten. Stattdessen versuchte er, seine eigenen politischen und geschäftlichen Interessen mit Hilfe von NTW durchzusetzen. Bei den Duma-Wahlen 1999 verspekulierte sich Gussinski deutlich. Er setzte auf einen Sieg des Blocks „Unser Vaterland – Ganz Russland“ um das Duo Jewgeni Primakow und Juri Luschkow.

In einem schmutzigen Nachrichtenkrieg gegen den vom damaligen Kreml-Oligarchen Boris Beresowski gesteuerten staatlichen Kanal ORT und das zweite russische Staatsfernsehen setzte Gussinskis Nachrichtenchef Jewgeni Kisseljow alles daran, den damals noch recht unbekannten Premier und
Jelzin-Wunschnachfolger Wladimir Putin zu diskreditieren. Doch der Kreml gewann die Nachrichtenschlacht.

Kreml nimmt NTW unter Kontrolle


Putin nahm auf dem Präsidentensessel Platz und begann, seine Widersacher zu vernichten. Gussinski wurde mit Hilfe von Gazprom und massiven Steuernachforderungen - ein Motiv, das sich später bei der Enteignung anderer Oligarchen wiederholen sollte – um seine Media-Holding gebracht und außer Landes getrieben. Putin blieb bei dem Konflikt im Hintergrund und äußerlich unbeteiligt.

Gussinski, der inzwischen auch einen israelischen Pass besitzt, lebt nicht schlecht am Mittelmeer. Ihm gehören weiterhin einige wichtige Medien in Israel. Doch offensichtlich plagt ihn das Heimweh, er möchte zurück – vorausgesetzt natürlich, er landet nicht in der Nachbarzelle von Chodorkowski.


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