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Roman Abramowitsch: Im Zeugenstand muss er zu unangenehmen Details aus der Vergangenheit Stellung nehmen (Foto: Archiv/.rufo)
Montag, 07.11.2011

Abramowitsch: Kostenlos zum Öl- und Alu-Imperium

Moskau/London. Ein Milliardenprozess in London enthüllt das Erfolgsgeheimnis von Roman Abramowitsch: Zahle nie aus eigener Tasche! Das Geld für die Öl- und Alukonzerne, die er kaufte, stammte von diesen selbst.

Wenn sich zwei Oligarchen vor Gericht streiten, dann freut sich als Dritter die Presse: Durch die Milliardenklage von Boris Beresowski gegen seinen einstigen „Ziehsohn“ Roman Abramowitsch werden den Medien Details der wilden Privatisierung im Russland der 90er Jahre bekannt, über die bisher nur spekuliert wurde.

Wegen Betrugs gesuchter Oligarch fühlt sich betrogen


Worum geht es? Beresowski fordert 5,5 Mrd. USD (rund vier Mrd. Euro) von Abramowitsch, weil dieser ihn angeblich bei der Auszahlung seiner Anteile beim Ölkonzern Sibneft und dem Aluminiumproduzenten Rusal betrogen hat.

Ob Beresowski, der in Russland selbst in Abwesenheit wegen Betrugs verurteilt wurde, diese Vorwürfe am Ende beweisen kann, ist unklar. Schriftlich gibt es kaum Belege darüber, dass der einstige Kremlkardinal unter Boris Jelzin überhaupt an diesen Firmen beteiligt war. Doch der Prozess ist vor allem deswegen interessant, weil er ein wenig Licht in die dunklen Privatisierungen der 90er Jahre bringt.

Übernahmeopfer finanziert den Deal selbst


So soll Abramowitsch, bis dahin als „kleiner“ Ölhändler in der Reichen-Hierarchie der Russen eher unbedeutend 1995 den Ölkonzern Sibneft für 100 Mio. USD übernommen haben, ohne für den eigentlichen Deal überhaupt zu bezahlen. Bezahlt hat er lediglich seinem Vermittler und Fürsprecher im Kreml, Boris Beresowski.

100 Mio. USD waren selbst für Mitte der 90er Jahre, als der Ölpreis am Boden war, wenig für einen Konzern dieser Größe. Für Abramowitsch war es dennoch zuviel. So viel Geld hatte er nicht. Kredit bekam er über Beresowski von der SBS-Bank Alexander Smolenskis. Als Sicherheit dienten Öllieferverträge von Sibneft. Damit hat der Konzern seine Übernahme quasi selbst finanziert.

„Alle drei Tage wurde jemand im Alu-Business umgebracht“


Ende der 90er Jahre stieg Abramowitsch dann auch in die Aluminium-Branche ein; auf Zureden von Beresowskis Partner Badri Patarkazischwili: „Ohne Badri hätte ich meine Nase nicht in das Business gesteckt, dort wurde alle drei Tage jemand umgebracht und mit solchen Geschäften wollte ich nichts zu tun haben“, sagte Abramowitsch nun vor einem Londoner Gericht.

Patarkazischwili hatte gute Beziehungen zu den Brüdern Chernoy und David Ruben, die Abramowitsch und Patarkazischwili im Jahr 2000 die sibirischen Aluminiumfabriken in Krasnojarsk und Bratsk, ein Tonerdekombinat in Atschinsk und das Wasserkraftwerk in Krasnojarsk für 575 Mio. USD verkauften.

Deripaska als Sponsor für Abramowitsch


Aber auch dafür musste Abramowitsch im Endeffekt nichts bezahlen – dank Oleg Deripaska. Denn der zahlte Abramowitsch die Ausgaben für seinen Einstieg ins Alu-Business zurück. Kurz darauf wurden die beiden (gegen Patarkazischwilis Willen) Partner, Deripaskas Sibal und Abramowitschs Alu-Fabriken fusionierten zu Rusal.

Später kaufte Deripaska seinen Partner aus dem Geschäft heraus; für schätzungsweise weitere zwei Mrd. USD. Auch für den in Österreich umtriebigen Oligarchen hat sich das Sponsoring für Abramowitsch gelohnt. Immerhin erwies sich dieser als wesentlich bequemerer Verhandlungspartner als die Chernoy-Brüder, mit denen sich Deripaska einen erbitterten – und wie aus Abramowitschs Aussagen hervorgeht – blutigen Machtkampf lieferte.

Auch aus dem Ölgeschäft stieg Abramowitsch später wieder aus: Für 13,1 Mrd. USD verkaufte er Sibneft an Gazprom weiter. Mit An- und Verkauf ist Abramowitsch so zum Milliardär aufgestiegen – und hat keinen Pfennig dazubezahlt, wie nun klar wurde.


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