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Mit Andrej Wosnessenski geht einer der letzten großen Künstler der 1960er Jahre. (Foto: newsru.com)
Dienstag, 01.06.2010

Der große Dichter Andrej Wosnessenski ist tot

Moskau. Andrej Wosnessenski, einer der bekanntesten Dichter Russlands, ist am Dienstag im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Er gehörte zu den „größten lebenden Dichtern aller Sprachen“.

Der breiten Masse ist Wosnessenski vor allem als Schlagertexter für die Popdiva Alla Pugatschowa und für seine Rockoper „Junona und Awos“ bekannt. In Wirklichkeit gehen seinen Werke viel tiefer.

In seiner Jugend verband ihn eine Freundschaft zu dem berühmten Dichter Boris Pasternak, der ihm sozusagen den Weg in die „große Literatur“ ebnete. Als Vorbilder für sein Schaffen benannte er Pablo Neruda und Wladimir Majakowski.

Ächtung durch Chruschtschow


Wosnessenski gehört zur Plejade der „Schestidesjatniki“, also einer ganzen Reihe von talentierten Schriftstellern der 1960er Jahre. Sein Name wird in einem Atemzug genannt mit Jewgeni Jewtuschenko, Bella Achmadulina und Robert Roschdestwenski.

Im Unterschied zu vielen seiner Zeitgenossen blieben Wosenessenski Lagerhaft und Zwangsemigration erspart, und doch war auch er von Veröffentlichungsverboten und Ächtung durch die sowjetischen Machthaber betroffen.

Nachdem 1960 seine beiden ersten Gedichtbände „Parabal“ und „Mosaik“ erschienen, wurde Wosnessenski bald zu einem Publikumsliebling – wenn er las, waren die Säle stets überfüllt. Seine exzentrischen Metaphern und das komplexe rhythmische System handelten ihm schon bald den Vorwurf des „Formalismus“ ein.

Nikita Chruschtschow rief ihm auf einer Veranstaltung mit Kulturschaffenden einmal zu, er solle „verschwinden“, und drohte mit der Zwangsausweisung aus der Sowjetunion. Dazu kam es nicht und Schreibverbote wechselten in Zukunft mit Veröffentlichungen seiner neuen Werke.

Mitglied in zehn Akademien


Seine Gedichtsammlung „Anti-Welten“ diente dem Moskauer Taganka-Theater 1965 als Vorlage für eine berühmt gewordene Inszenierung. 1978 erhielt er den Staatspreis der UdSSR. 1983 erschien erstmals eine Werksausgabe in drei Bänden.

Wosnessenski war Ehrenmitglied von zehn Akademien, darunter der American Academy of Arts and Letters, der Pariser Academie Goncourt. Beim Festival „Triumph“ in Paris wurde er 1996 zum „größten Dichter der Gegenwart“ erklärt.

Der amerikanische Dichter Robert Lowell formulierte diesen Ehrentitel anders: Für ihn war Andrej Wosnessenski einer der „größten lebenden Dichtern aller Sprachen“.

Der Dichter wird am Freitag auf dem Friedhof von Peredelkino beigesetzt. In dieser Künstlerdatschensiedlung verbrachte er viele Jahre seines Lebens.


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