Gazpromneft, die Gazprom-Tochter im Ölgeschäft, will ihrem Aufsichtsrat satte 17,44 Mio. USD an Bonuszahlungen für das vergangene Geschäftsjahr (geht beim Konzern von Juni bis Juni) ausschütten. Das ist mehr als Doppelte dessen, was für 2007 ausgezahlt wurde.
Fast drei Millionen Dollar als Bonus Aufgeteilt wird die Summe auf neun Gazprom-Funktionäre und zwei Manager des italienischen Energieversorgers Eni. Lediglich Gazpromneft-Generaldirektor Alexander Djukow geht leer aus. Djukow verdient bei Gazpromneft als Vorstandsmitglied (ein anständiges) Gehalt, zusätzliche Boni dafür, dass er im Aufsichtsrat sitzt, sind daher nicht vorgesehen.
Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder werden hingegen anteilig am Ergebnis von Gazpromneft beteiligt – jeder bekommt 1,83 Mio. USD. Alexej Miller, der den Aufsichtsrat leitet, bekommt noch ein paar „Krümel“ mehr vom Kuchen – insgesamt 2,79 Mio. USD.
Kreml entscheidet über Boni bei Gazprom Das ist nicht schlecht, aber bei weitem noch nicht alles. Auch bei Gazprom sitzt Miller im Aufsichtsrat. Im Gegensatz zur Tochtergesellschaft zahlt der Gas-Monopolist auch den Aufsichtsräten eine Prämie, die schon im Vorstand bezahlt werden. So könnte Miller weitere 560.000 USD einstreichen. Die Aktionärsversammlung muss die Bonuszahlungen am 26. Juni absegnen.
Zwar sind die Ausschüttungen von Gazprom bescheidener als bei Gazpromneft, doch nach Ansicht der Consulting-Gesellschaft RiskMetrics immer noch zu hoch. Sie rät den Aktionären daher, gegen die Bonus-Auszahlungen zu stimmen. Im Endeffekt bestimmt freilich der Kreml über die Höhe der Ausschüttungen – schließlich ist Gazprom mehrheitlich im Staatsbesitz.
Trotz Spar-Aufrufen: Gazprom geht von Bonuszahlungen aus In der Vergangenheit haben sowohl Premier Wladimir Putin, als auch Präsident Dmitri Medwedew mehrfach öffentlich Manager aufgefordert, ihren Appetit in Krisenzeiten zu zügeln. Die Aussage bezog sich auch und gerade auf staatliche Unternehmen. Trotzdem geht Gazprom davon aus, dass die Bonuszahlungen im Vergleich zum letzten Jahr nicht gekürzt werden.
Wieviel Miller als Vorstandschef bei Gazprom verdient, ist nicht bekannt. Aus dem Rechenschaftsbericht des Konzerns geht immerhin hervor, dass die Ausgaben für das Top-Management bei insgesamt 834 Mio. Rubel liegt, d.h. im Schnitt pro Kopf 49 Mio. Rubel. Diese Summe dürfte aber wohl nur die Untergrenze des Miller-Gehalts fixieren. Dem Mittelkurs des 2008 stark schwankenden Rubels entsprechend sind das 1,97 Mio. USD, hat die Tageszeitung „Wedomosti“ errechnet.
Macht summa summarum 5,32 Mio. USD. Zum Vergleich: Rosneft zahlt jedem Aufsichtsratsmitglied im Schnitt 200.000 USD, die Prämien internationaler Öl-Multis wie Shell und BP schwanken zwischen 144.000 – 272.000 USD (wobei Shell dem Aufsichtsratschef immerhin 1 Mio. USD zahlt).
Wer ist der bestbezahlte Manager in Russland ? Es gibt nur einen Konzern, der noch großzügiger ist; der von der Krise arg gebeutelte Metallurgiekonzern Nornickel zahlt seinem neuen Aufsichtsratschef, dem von den Staatsbanken VTB und VEB lancierten Ex-Chef der Präsidialverwaltung Alexander Woloschin 5,5 Mio. USD. Miller hat aber noch die Chance, an Woloschin vorbeizuziehen:
Dazu muss die Gazprombank, deren Aufsichtsrat Miller ebenfalls leitet, auch in diesem Jahr wieder Prämien auszahlen. Im vergangenen Jahr bekamen die Aufsichtsräte der Bank über 2 Mio. USD an Boni. Doch 2008 hat die Bank Verluste eingefahren, daher wird gemunkelt, dass die Manager diesmal leer ausgehen – armer Alexej Miller!
|