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Wenn Russen ein Party feiern, heißt es gleich wieder Orgie, soll Prochorow mal von sich gegeben haben (Foto: TV)
Mittwoch, 18.02.2009

Moskauer Milliardärsrating: Playboy die Nummer Eins

Moskau. Die Krise hat Russlands Oligarchen ordentlich durchgeschüttelt. Die neue Nummer 1 im Milliardärsrating heißt Prochorow – mehr Lebe- als Geschäftsmann. Sein Vermögen liegt bei „bescheidenen“ 14,1 Mrd. USD.

Gewinner ist der Mann mit den wenigsten Verlusten! Vor einem Jahr wäre Michail Prochorow mit 14 Milliarden nicht mal in die Top-10 gekommen, nun führt er die Liste der reichsten Russen bei der Wirtschaftszeitschrift „Finans“ an. Sein Erfolgsgeheimnis?

Rechtzeitig ausgestiegen


Er ist rechtzeitig beim Buntmetall-Konzern Norilsk Nickel ausgestiegen. Noch vor Ausbruch der Krise verkaufte er seine Anteile an Oleg Deripaska; eine Handlung, zu der er größtenteils gezwungen war. „Soweit ich weiß, hat Deripaska unter Ausnutzung administrativer Ressourcen Prochorow damals zu den Verhandlungen ziemlich gezwungen“, berichtet ein anonymer Informant von Finans.

Dass der Kreml Druck ausgeübt hat, ist nicht bewiesen; klar ist aber: Prochorow hatte nach einer unrühmlichen Affäre in Courchavel Anfang 2007 ein Image-Problem. Dort wurde er von der französischen Polizei in Begleitung mehrerer junger Damen als vermeintlicher Zuhälter festgenommen. Drei Tage saß er ein, dann durfte er gehen.

Ärger nach der Courchavel-Affäre


Zu Hause wartete allerdings Ärger auf den Lebemann. Sein langjähriger Geschäftspartner Wladimir Potanin wollte seinen Junior-Partner loswerden. Die Aufteilung des Milliardenvermögens zog sich in die Länge. Am Ende verkaufte Prochorow an Potanins Konkurrenten Deripaska.

Wie sich im Nachhinein herausstellt, wurde Prochorow zu seinem Glück gezwungen: Deripaska, der die Anteile übernommen hat, ist nun hoch verschuldet, zudem hat Prochorow noch die Option sein RusAl-Paket (14 Prozent) für den Festpreis von 7,3 Mrd. USD an Deripaska zurück zu verkaufen – deutlich über Marktwert.

Hobbies: Boxen, Basketball, Biathlon – und Frauen


Zwar streiten sich die Verleger nun um die Buchrechte für eine Autobiographie des neuen „Finanz-Gurus“, doch dass Prochorow die Krise vorher gesehen hat, ist unwahrscheinlich. Der 43-jährige interessiert sich mehr für Sport und Frauen als für das Geschäft.

Neben seinem Büro bei Norilsk Nickel ließ er seinerzeit einen kleinen Sportsaal mit Laufband und Box-Sandsack einrichten. ZSKA Moskau wurde zum besten Basketball-Klub Europas – dank großzügigen Sponsorings von Nornickel und Prochorow.

Prochorows neuestes Steckenpferd heißt Biathlon. Er investierte viel Geld in den Aufbau der russischen Mannschaften. Der Doping-Skandal der russischen Biathleten – ein unerwünschter Nebeneffekt des Erfolgs.

Kampf mit harten Bandagen


Dass Prochorow nichts von Geschäften versteht, wäre allerdings gelogen. Seine Interessen weiß er zu wahren. So streitet er sich gerade mit der Deutschen Bank und anderen Minderheitsaktionären um die Kraftwerksgesellschaft TGK-4. Kurz vor der Krise – als aggressive Expansion noch „in“ war – wollte Prochorow die Kontrolle über TGK-4.

Den Minderheitsaktionären bot er an, ihre Anteile an seine auf Zypern registrierte Firma zu verkaufen. Nun ist das Geschäft (500 Mio. USD) zu teuer und so zwingt er die anderen Teilhaber dazu, ihre Anteile zurück zu kaufen. Der Trick dazu ist einfach: Man nutze seine guten Beziehungen zur Regierung und lasse TGK-4 zum „strategisch wichtigen“ Unternehmen erklären. Damit wird der Verkauf an eine Firma aus Zypern rechtswidrig und unwirksam!

Der Absturz Deripaskas


Mit solchen rabiaten Methoden hat Prochorow seine Verluste auf 7,4 Mrd. USD (im Vorjahr besaß er noch 21,5 Mrd. USD) minimiert. Da hat es andere Oligarchen schwerer getroffen – allen voran Oleg Deripaska; im Vorjahr mit geschätzt 40 Milliarden Dollar Kapital noch die Nummer 1. Nun ist er mit gerade einmal einem Zehntel der Summe (4,9 Mrd. USD) nur noch Achter, wobei die Schätzung von „Finans“ wohl noch großzügig ist.

In Moskau kursieren nämlich schon Witze, wie: „Sagt ein Obdachloser zum Anderen. Ich bin reicher als Deripaska. Der hat 14 Mrd. USD Schulden und ich bin schuldenfrei!“

Die weiteren Platzierungen: Abramowitsch und so weiter


Roman Abramowitsch hat mit 13,9 Mrd. USD seinen Platz behalten. Der Besitzer von Chelsea bleibt auf Rang zwei der Milliardärsliste, freilich um neun Milliarden Dollar „leichter“ – dem Stahlkonzern Evraz und fallenden Rohstoffpreisen sei Dank.

Die Probleme in der Metallurgie haben auch die Nummer drei im Rating nicht verschont. Wladimir Lisin, Besitzer des Metallurgie-Kombinats Nowolipezk wird von Finans auf 7,7 Milliarden Dollar taxiert, im Vorjahr waren es noch über 22 Milliarden.

Zu den Top-10 laut Finans gehören ferner: Wagit Alekperow (7,6 Mrd. USD), Suleiman Kerimow (7,5 Mrd. USD), Michail Fridman (6,1 Mrd. USD), Wladimir Potanin (5 Mrd. USD) und Dmitri Rybolowzew (4,6 Mrd. USD). Den zehnten Platz teilen sich Alischer Usmanow und Leonid Fedun mit jeweils 4,5 Mrd. USD. Insgesamt ist die Zahl der Dollar-Milliardäre in Russland von 101 auf 49 gesunken.


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