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Juri Luschkow muss sich unangenehmen Fragen der Ermittler stellen (Foto: Archiv/.rufo)
Dienstag, 15.11.2011

Moskaus Ex-Bürgermeister Luschkow muss zum Verhör

Moskau. Moskaus Ex-Bürgermeister Juri Luschkow wird von den russischen Ermittlungsbehörden vernommen. Er soll zum Skandal um die Bank of Moscow Stellung nehmen. Noch gilt er als Zeuge, doch das kann sich ändern.

Das Verhör findet am Dienstag im Ermittlungsausschuss des Innenministeriums statt. Dutzende Journalisten warteten allerdings vergeblich vor der Tür auf den Ex-Bürgermeister. Um kurz nach elf Uhr Moskauer Zeit erschien lediglich dessen Anwalt Genri Resnik und erklärte den Anwesenden, dass sein Mandant bereits „gut gelaunt“ beim Verhör sei.

Stadt gibt hauseigner Bank Geld für dubiosen Kredit


Während sich Juri Luschkow auf diese Weise den unangenehmen Fragen der Medienvertreter entzog, dürfte es ihm beim Verhör deutlich schwerer fallen. Der langjährige Stadtvater muss den Behörden die Zusammenhänge zwischen einem dubiosen Kredit der Bank of Moscow an die Briefkastenfirma Premier Estate und einer Rekapitalisierung der Bank durch die Stadtregierung erklären.

2009 hatte die Stadtregierung der Bank über eine Zusatzemission von Aktien eine Kapitalspritze von umgerechnet 340 Mio. Euro verabreicht. Das Geld floss kurze Zeit später in einen Kredit für die Firma „Premier Estate“, die wiederum mit dem Geld der Luschkow-Gattin Jelena Baturina Grundstücke (58 Hektar) in Moskau abkaufte.

Glücklicher Grundstücksdeal zu Krisenzeiten für Baturina


Nach Angaben der Ermittler war der Preis weit überhöht. Baturina habe in Krisenzeiten ihre Grundstücke zum Sechsfachen des Marktpreises verkaufen können und so ihr Bau-Imperium gerettet, das durch Forderungen nach Kreditrückzahlungen in Bedrängnis geraten war.

Leidtragender waren die Bank of Moscow und das Budget der Stadt Moskau. Seit einem halben Jahr zahlt Premier Estate schon den Kredit nicht mehr zurück. Die Bank wurde im April an die staatliche VTB verkauft und musste anschließend mit staatlichen Krediten vor dem Bankrott gerettet werden. Ermittelt wird daher wegen Unterschlagung und Betrugs.

Vom Zeugen zum Angeklagten?


Noch gilt Luschkow als Zeuge in dem Fall. Er selbst erklärte auch vor dem Verhör, dass ihm nichts vorzuwerfen sei, schränkte aber mit einem Zitat von Stalins berüchtigtem Chefankläger Andrej Wyschinski ein: „Ein Artikel (im Strafgesetzbuch) findet sich immer, wenn wir die Person erst haben.“

Luschkow wurde im Herbst 2009 von Präsident Dmitri Medwedew abgesetzt, da er das Vertrauen der Kremlführung verloren habe, so die Begründung. Inoffiziell wurden Luschkow aber bereits längere Zeit Korruptionsvorwürfe gemacht. Nach der Entlassung begannen dann auch offiziell Untersuchungen gegen die Luschkow-Familie.

Luschkow ist raus aus dem Geschäft


Baturina hat sich in der Zwischenzeit von ihren Aktiva in Russland getrennt. Ihren Baukonzern Inteko verkaufte die einzige Dollarmilliardärin Russlands an die Binbank von Michail Schischchanow. Zuletzt wurden auch ihre Zementwerke abgestoßen.

Auch Luschkows Sohn aus erster Ehe, Alexander, hat sein Geschäft in Moskau verkauft. Luschkow jr. war Besitzer von zwei Reklamefirmen. Beide sind inzwischen im Besitz von News Outdoor

Die Familie selbst lebt seit geraumer Zeit im Ausland.Zuletzt soll Luschkow in Österreich gewohnt haben. Seiner Frau und seinen Töchtern habe er die Rückkehr nach Russland verboten, erklärte er.


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