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Patriarch Kyrill I. nach seiner Wahl, noch vor der Amtseinführung im Sergej-Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Posad (Foto: Wassili Djatschkow/.rufo)
Samstag, 31.01.2009

Ost-Papst Kyrill, Säule Russlands und der Orthodoxie

Moskau. Der 16. Patriarch von Moskau, der wortgewaltige Kyrill I. ist Hüter der russisch-orthodoxen Traditionen, aber auch ein Mann der Medien. Der Sohn einer Deutschlehrerin hat weniger Macht als der Papst - aber fast ebensoviel Einfluss.

"Patriarch von Moskau und ganz Russland" - darunter können sich in in Westeuropa die wenigsten etwas vorstellen, obwohl er nicht ganz zu Unrecht auch als "Ost-Papst" bezeichnet wird.

Er ist das Oberhaupt von etwa 150 Millionen russisch-orthodoxen Christen in Russland, der Ukraine, Weissrussland und in aller Welt - und ausserdem auch "Primus inter Pares" unter den anderen orthodoxen Kirchenoberhäuptern, den Griechen, Georgiern, Armeniern, Bulgaren und einigen anderen.

Säule Russlands, der Traditionen und des Staates


Kyrill I. sieht den Patriarchen aber auch als eine der Säulen Russlands.

In seiner Neujahrsbotschaft 2009 hatte Kyrill (Kirill) - noch als Statthalter des verstorbenen Patriarchen - russische Machthaber, Unternehmer und Werktätige gemahnt, in Zeiten der Krise im Geiste sozialer Verantwortung zu handeln, was immer das auch bedeuten mag.

In einem Schreiben an den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew versichert Kyrill gleich nach seiner Wahl zum Patriarchen, die Kirche sei zum konstruktiven Dialog mit dem Staat bereit, um "gemeinsam zum Wohle des Volkes, und der Festigung der geistlichen und seelischen Grundlagen seines Seins" zu wirken.

Kyrill, Hüter der Traditionen (Foto: Wassili Djatschkow/.rufo)

Konstruktiver staatstragender Dialog


Das ist in Kürze das Programm, mit dem Kyrill vom Kirchenkonzil im Januar 2009 - nicht ohne Beihilfe des Kremls - mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde. Man traut ihm die Kraft dafür zu.

Unter den Metropoliten und Oberhäuptern der orthodoxen Kirchen am Sarg des Patriarchen Alexi II. im Dezember 2008 wirkte er geradezu jungendlich und energisch: der 62-jährige Kyrill war damals noch Metrololit von Smolensk und Kaliningrad.

"Alexi II. hat uns eine ganz andere Kirche hinterlassen", sagte er in seiner Predigt, wie mit einem Seitenblick auf die anderen geistlichen Würdenträger, von den einige sich nur mit Mühe auf den Beinen hielten.

"Der Glaube ist zu materieller Kraft geworden"


"Die Kirche ist nicht mehr gebrechlich. Uns zittern nicht mehr die Hände und Knie. Der Glaube ist zu materieller Kraft geworden" Und indem Kyrill das mit laut tönender Stimme sagte, reklamierte er auch gleich einen guten Anteil an der Wiedergeburt der russisch-orthodoxen Kirche für sich selbst. Denn schließlich ist er Schüler und Weggefährte Alexis, seit dieser selbst 1990 im Alter von damals 62 Jahren zum Patriarchen gewählt wurde.

Schon seit 1989 bekleidete Kyrill auch das Amt des "Außenministers" des Patriarchats, des Vorsitzenden des Ausschusses für Außenbeziehungen. Er war damit auch eine wichtige Figur im ökumenischen Prozess, im Dialog mit anderen christlichen Kirchen.

Kyrill !. im Klaster von Sergijew-Posad (Foto: Wassili Djatschkow/.rufo)

Aussenminister und Vordenker


Seit Kyrill am Ende der Gorbatschowschen Perestroika das neue Gesetzes über Religionsfreiheit mit schrieb, begründete er auch seinen Ruf als einer der Vordenker der Kirche. Er ist auch maßgeblicher Autor der erst in den letzten Jahren formulierten Ansätze für eine Soziallehre der russisch-orthodoxen Kirche.

Der wortgewaltige Metropolit Kyrill wurde besonders in den vergangenen Jahren neben dem Patriarchen Alexi II. selbst zum bekanntesten Gesicht der Kirche in Russland. Er versteht es, immer präzise und mediengerecht zu formulieren, aber dabei äußerst prinzipienfest zu bleiben.

Der Mann des mediengerechten Auftretens


Er war nicht nur gern gesehener Gast in Fernsehtalkshows, sondern hat auch seine eigene Sonntagsendung, das "Wort des Hirten" im Ersten russischen Fernsehprogramm (ORT). Wäre Kyrill kein Mann der Kirche, sondern Politiker würde er in Russland jede Wahl mit Bravour gewinnen.

Sohn einer Deutschlehrerin und eines Geistlichen


Kyrill I. wurde als Wladimir Gundjajew am 20.November 1946 als Sohn einer Deutschlehrerin und eines Geistlichen im damaligen Leningrad geboren.

Kaum dass er volljährig geworden war, trat er ins Pristerseminar ein, später in die geistliche Akademie, die er mit Auszeichnung abschloss, um sofort auch seine Weihe als Mönch zu bekommen. Ein Jahr später war er schon persönlicher Sekretär des Metropoliten von Leningrad.

Kirchensprecher gegen das atomare Wettrüsten


Seit 1970 lernte er als Vertreter russisch-orthodox-sowjetischer Jugendorganisationen die USA und Westeuropa kennen. Seit 1971 war er Vertreter des Moskauer Patriarchen Pimen im Weltkirchenrat in Genf.

1981 trat er in Westeuropa als Kirchensprecher gegen das atomare Wettrüsten auf. Seit 1983 übernahm er ein Lehramt in der Moskauer Geistlichen Akademie. Kyrill ist mittlerweile Autor von 600 Büchern und Publikationen.

In Deutschland war Kyrill mehrfach, so auf dem Kirchentag in Köln 2007. Als Metropolit von Smolensk und Kaliningrad hat er sich zweimal mit Bundesaussen-minister Frank-Walter Steinmeier getroffen.


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