Dmitri Rogosin ist so etwas wie der Lautsprecher russischer Interessen in Brüssel. Mit einem Gemisch aus Vorhaltungen, Belehrungen und Drohgebärden versucht der russische Politiker im Westen zu punkten – nicht immer erfolgreich, aber immer lautstark.
Dauerthema US-Raketenschild Die größten Aversionen in Moskau ruft naturgemäß der geplante US-Raketenschild in Osteuropa hervor. Dieser sei gegen Russland gerichtet, betonte Rogosin zuletzt immer wieder und warnte Amerikaner und Europäer vor der Installation dieser „Hydra mit den Giftzähnen“. Anderenfalls könnte Russland aus der atomaren Abrüstung aussteigen.
Die Europäer belehrte Rogosin unlängst darüber, dass ihr soziales und politisches System gescheitert sei. Falsch verstandene Toleranz und Multikulturalismus seien mitschuldig an den Anschlägen des nationalistischen Täters Anders Breivik in Norwegen, erklärte er.
Rogosin zielt auf Moskau, nicht auf Brüssel Politiker in Brüssel, wo ohnehin die Meinung vorherrscht, ein natürliches Recht darauf zu haben, andere zu belehren, ignorieren den polternden Abgesandten des Kremls weitgehend. Doch Rogosins Äußerungen zielen ohnehin nicht darauf ab, den Westen zu überzeugen, sondern im eigenen Land und bei der Kremlführung zu punkten.
Schon vor seiner Entsendung zur NATO wusste Rogosin zu polarisieren. Der fähige Politiker fischte mit dem Segen des Kremls stets am Rand der russischen Gesellschaft Stimmen, sowohl bei den Kommunisten, als auch bei den Nationalisten.
Komplott für Putin gegen den eigenen Parteikollegen Den größten Erfolg erzielte Rogosin 2003, als er mit nationalistischen Losungen seiner Partei „Rodina“ („Heimat“) zum Einzug in die Duma verhalf. Seine Loyalität zu Wladimir Putin bewies er, als er 2004 seinem Parteikollegen Sergej Glasjew, dem laut Umfragen vor der Wahl gefährlichsten Herausforderer des Präsidenten, die Unterstützung versagte und ihn aus der Partei drängte.
Nachdem Rodina allerdings die Proteste russischer Rentner gegen die Sozialkürzungen der russischen Regierung unterstützte, verschlechterte sich das Verhältnis zum Kreml und der Regierungspartei „Einiges Russland“. Rodina wurde bei mehreren Regionalwahlen ausgeschlossen und ging schließlich in der kleineren Kremlpartei „Gerechtes Russland“ auf.
Lieber bei der NATO als bei der Volksfront Rogosin wurde 2008 „begnadigt“ – Putin berief ihn auf den Posten des NATO-Botschafters. Zuletzt gab es Spekulationen darüber, dass er den populistischen Politiker zurückholen könnte, um die Volksfront zu leiten. Die Bewegung wurde im Mai von Putin gegründet, um die Basis seiner Partei „Einiges Russland“ zu vergrößern.
Allerdings gibt es auch Spekulationen darüber, dass Putin mit Hilfe der Volksfront eine Legitimation als nationaler geistiger Führer Russlands erwerben will. Damit wäre er unabhängiger von politischen Ämtern (z.B. Präsidentenamt) und könnte trotzdem Einfluss ausüben, so der Gedankengang.
Zumindest vorläufig wird ihm Rogosin dabei allerdings nicht helfen. Er werde so lange in Brüssel bleiben, wie die Verhandlungen über die Stationierung eines Raketenschilds in Osteuropa aktuell seien, ob der NATO „diese Perspektive gefällt oder nicht“, verkündete Rogosin nun.
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