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Valentin Jumaschew und seine Frau Tatjana Jumaschenko-Jelzina haben mehr Geld als sie vorgeben zu haben. (Foto: MK)
Montag, 13.06.2011

Skandal in Jelzin-Familie – das Selbstbildnis zerbricht

Gisbert Mrozek, Moskau. Während Präsident Medwedew zum "Tag Russlands" noch Boris Jelzin rühmte, erschütterte eine Enthüllung manche Russen: Das Milliardenprojekt Moscow-City gehört zu guten Teilen direkt der Jelzin Familie.

"Moscow-City" ist nicht nur die größte Baustelle der russischen Hauptstadt, sondern wohl auch von den meisten Skandalen umwittert. Die Wolkenkratzer-Projekte wechselten jedenfalls im Laufe von über 15 Jahren öfter unter merkwürdigen Umständen die Besitzer – jetzt lichtet sich der Nebel.

Und siehe da: Die Hälfte des mit 60 Stockwerken geplanten Superhochhauses "Imperia Tower" gehört der zypriotischen Firma ValTania – und damit Valentin Jumaschew und seiner Frau, der Jelzin-Tochter Tatjana Jumaschewa-Djatschenko, schreibt die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedemosti".

Ein paar Informationen über die Eigentumsverhältnisse in Moscow City


Das stattliche Bauwerk mit 310.210 Quadratmetern Fläche hat bisher 15 Milliarden Rubel (etwa 375 Mio. Euro) gekostet – natürlich kreditfinanziert von der staatlichen Außenhandelsbank VTB.

Schließlich könnten Valentin Jumaschew und seine Frau, die in äußerst bescheidenen Verhältnissen leben, den Bau sonst nicht finanzieren. Fertigstellung des "Imperium"-Turms ist für den August 2011 geplant. Geschätzter Marktwert: etwa 870 Mio. US-Dollar.

Gewirtschaftet wird natürlich mit Krediten und Haushaltsgeldern


Außer dem "Imperia Tower" gehört Valentin und Tanja (Valtania) auch die Hälfte der Gesellschaft "Citi", die auf Kosten des Moskauer Stadthaushaltes die Infrastruktur im neuen Geschäftsviertel Moskaus baut und betreibt. "Citi" gehört auch ein Baugrundstück, auf dem 180.000 Quadratmeter für Büros und Apartments gebaut werden sollen. Marktwert von "Citi" sind 250 Mio. US-Dollar.

Genaugenommen seien es 49,58 Prozent von "Citi", schreibt Wedemosti. 34,34 Prozent gehören nämlich dem Schwiegersohn Jumaschews, dem Alu-Oligarchen Oleg Deripaska. Aufsichtsratsvorsitzender bei "Citi" ist Oleg Grankin – der mit einer Verwandten Deripaskas verheiratet ist.

Das Jelzin-Bildnis zerbricht


Es ist natürlich nicht neu, dass es in Russland Oligarchen gibt. Auch gehen die meisten Russen davon aus, dass der klammheimliche Zweck der politischen Macht – auch beim Demokraten Jelzin – natürlich die Selbstbereicherung ist. Das alles wäre also der Rede nicht wert, wenn es nicht so sehr mit dem zur Schau getragenen edlen Selbstbildnis der Jelzin-Familie kontrastieren würde.

So schrieb die Jelzin-Tochter Tatjana in ihrem Blog, sie lebe von bescheidenen 10.000 Rubel Gehalt, das sie als Direktorin der wohltätigen Jelzin-Stiftung beziehe. Ohne ihren Mann Valentin habe die Familie sich noch nicht einmal einen ordentlichen Sommerurlaub leisten können.

Jelzin-Familie ist arm, aber ehrlich


Valentin Jumaschew, Ex-Leserbrief-Redakteur bei der sowjetischen Boulevard-Zeitung "Komsomolskaja Prawda", dann Jelzin-Biograph und schließlich 1997-98 Leiter der Kreml-Administration, erklärte in einem Interview im Februar 2011, dass er mit Politik nie Geschäfte gemacht habe.

Er hätte zwar als Leiter der Kreml-Kanzlei Seilschaften aufbauen können, habe dies aber nicht getan. Sonst wäre wohl "zwölf Jahre später" herausgekommen, sagte er, dass er Eigentümer irgendeiner "NeftMetallInvest"-Firma sei. Aber das habe er eben nicht getan. "Ich bin so ruhig, weil ich immer ehrlich meine Arbeit gemacht habe".

Jelzin-Tochter verspricht ihr angebliches Vermögen dem Enthüller


Und seine Frau Tatjana ging so weit, dass sie erklärte: "Das Eigentum, über das einige Medien berichteten, ist erlogen. Wenn irgendjemand meine mystischen Bankkonten oder meinen ebenso märchenhaften Immobilienbesitz wirklich findet, kann er das behalten."

Zur Rechtfertigung der beiden Eheleute muss allerdings gesagt werden, dass sie vielleicht zum Zeitpunkt dieser Aussagen beinahe die Wahrheit gesagt hatten. Zumindest im vergangenen Jahr gehörten ihre Anteile an "Citi" und "Imperia Tower" noch Schwiegersohn Deripaska – der de facto allerdings, wie manche Insider behaupten, immer nur treuhänderisch im Auftrag "der Familie" agiert.

Gibt es "familienintern" eine Umstrukturierung?


Dann allerdings stellt sich die Frage, wie und warum es anscheinend familienintern eine Umverteilung zuungunsten von Deripaska gegeben hat. Sollte der Alu-Oligarch mit seinem weitverzweigten Unternehmen so in die Krise geraten sein, dass eine schnelle Restrukturierung nötig ist?

Scheidung auf Russisch


Die Boulevard-Zeitung „Moskowski Komsomolez“ spekuliert dagegen übers Menschliche. Es gebe Gerüchte, nach denen sich Oleg Deripaska von der Jumaschew-Tochter Polina scheiden lassen wolle. Ohne Schiegersohn Deripaska und sein verschlungenes Firmen-Imperium dürfte "die Familie" jedenfalls erhebliche Probleme bekommen, ihre Geschäfte neu zu organisieren.

Dann werden die Dienste von Familien-Krisenmanager Alexander "Staljewitsch" Woloschin wieder einmal hoch im Kurs stehen, der seinerzeit kurz nach Jumaschew die Kreml-Kanzlei übernommen hatte. Er organisierte den Machtwechsel von Jelzin zu Putin.


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